Dezember 2019

 

Berlin Mārgam

Freitag 13.12.2019 17:30 / 19:00 | Saal, S2, S3

Eintritt: Kinderprogramm: 10€ (Familienkarte für bis zu 2 Erwachsene und 2 Kinder) / Abendprogramm: 15€ p.P.

Veranstalter/-in: Werkstatt der Kulturen/ Global Music Academy

Kooperation

40 Jahre Bharatanatyam in Berlin

made LOCAL, heritage GLOBAL, approach TRANS-CULTURAL
mit Rajyashree Ramesh und ihren Ensembles

  


Mārgam ist die traditionelle Bezeichnung für das abendfüllende Repertoire des indischen Tanzstils Bharatanatyam. Es besteht aus einer Abfolge choreographisch unterschiedlicher Stücke. Die Strukturierung des Mārgam-Repertoires ist das Meisterwerk des Tanjore-Quartetts - vier Gebrüder am Hofe des Königs von Tanjore (Tanjavur) im 18. Jhdt. Als Meister des Tanzes und der Musik, und Gelehrte, entwickelten sie eine Reihe choreographischer Strukturen wie Alarippu, Jatiswaram, Varnam, Tillana, und so forth, woraus der heute als Bharatanatyam bekannte Bühnentanz entstand.

 

In der Progression der choreographischen Strukturen von kurzen zu längeren Stücken mit variierenden rhythmischen und narrativen Mustern ist ein wohlbedachtes dramaturgisches Konzept erkennbar. Aus der performativen Perspektive führt eine solche Progression in die Tiefe der Gefühlswelt hinein. Es basiert auf einer Jahrtausende alten Praxis der darstellenden Kunst, schriftlich festgehalten in der zum 3. Jhdt v. Ch. zurückführenden Abhandlung Nāṭyaśāstra. Diese weit in die Vergangenheit reichende Praxis weist zugleich einer zeitgemäßen Veränderbarkeit auf, die der indischen darstellenden Kunst Nāṭya seit eh inhärent erscheint.

Historisch gesehen erkennt man in dem so entstandenen Mārgam-Repertoire eine Tanztradition, die sowohl in den Tempeln und Tempelfesten Südindiens wie auch an den Höfen oder auch, aus heutiger Sicht, in Literatursalons vorhanden war. Der Inhalt der Choreographien reicht von tief spirituellen Erkenntnissen bis hin zu profanen Erzählungen von Liebe und Sehnsucht, von Freude und Schmerz, und vielem mehr.

Das Erlernen und Präzisieren des Mārgam-Repertoires verhilft den Darstellenden zugleich zu immer mehr Verfeinerung der tiefen Ausdruckfähigkeit. In Anbetracht der Wortbedeutung – Mārgam bedeutet Pfad oder Weg – erweist sich das Repertoire essenziell als ein Weg der Transformation.
 


Diese jüngste Verkörperung des Nāṭyas, die weiter im Wandel sich befindet, hat in der Zwischenzeit Weltbühnen erobert. Und wird auf immer neuen Körpern geschrieben, wie in der 40-jährigen Arbeit von Rajyashree Ramesh besonders zu erkennen ist. Seit 1979 baut die Tänzerin, Choreographin, Lehrmeisterin und Bewegungsforscherin in Berlin die Praxis des Bharatanatyams durch ihre tiefgründige Erkenntnisse und Weiterforschung des Tanzes mit besonderem Augenmerk auf das universellen Konzept des Nāṭyas stets aus. Hierin ist sowohl Veränderung als auch Kontinuität reflektiert. An ihrem eigenen Academy for Performing Arts haben in den letzten drei Jahrzehnten sämtliche Tänzerinnen mit unterschiedlichster Herkunft mehrjährige Bühnentanzausbildungen abgeschlossen. Seit 8 Jahren entwickelt sie ihr Ausbildungsprogramm am Global Music Academy Berlin weiter, und führt immer mehr Interessenten aus der ganzen Welt mithilfe ihres einzigartigen bewegungsanalytisch-faszialen Ansatzes in die transformierenden Eigenschaften des Mārgams ein.

Der Abend beinhaltet, was Rajyashree Ramesh als Berlin-Mārgam entwickelt hat.

  • In dem Kinderprogramm werden Ergebnisse aus der tänzerischen Früherziehung präsentiert, die sie mit dem Bharatanatyam-Vokabular aufgebaut hat. Es mündet mit einem Mitmach-Tanztheater.
  • Das Hauptprogramm gestaltet sie mit bereits ausgebildeten und jetzt lernenden Erwachsenen. Neben klassisch-traditionellen Stücken aus dem Mārgam-Repertoire wird in dem reinnarrativen Teil des Repertoires ein neues Performance-Konzept Tanz-Text-Ton eingeführt. Dies ist eine zeitgenössische Umsetzung altindischer Performancekunst. Aus den im Nāṭyaśāstra beschriebenen vier Formen des Ausdrucks - Āngika (korporeal), Vācika (gesprochen), Āhārya (durch Kostümierung) und Sāttvika (durch das innere Selbst) - entwickelt Rajyashree Ramesh eine z.T. improvisatorische Performance, begleitet von Eva Isolde Balzer (Text, Tanz), Gita Delvenakiotis (Ton/Klavier), Ghazal Ramzani (Kathak-Tanz), Irina Kushelevich, Neringa Raudyte und Justina Lizaitiene (Bharatanatyam-Tanz), Rea Andrea Kurmann (Text, Tanz), Sankalita Mandal (Ton/Gesang, Tanz) und Supraja Prasad (Text, Tanz).

 

 

          


  


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