Kunst, Kultur, Aktion

 
 

we celebrate cultural difference!

Download Magazin "WERKSTATT DER KULTUREN KunstKulturAktion 2018"

Seit Januar 2018 erhält die WERKSTATT DER KULTUREN ihre Förderung nach 24 Jahren nicht mehr vom Büro des Beauftragten des Senats von Berlin für Integration und Migration sondern von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Ein solcher Wechsel, der bereits im Programmdialog 2014 von Nutzer*innen des Hauses als notwendig erachtet wurde, birgt die Chance eines Updates für das in 1993 als Begegnungsstätte „für Deutsche und Ausländer“ gegründete Mehrspartenhaus WERKSTATT DER KULTUREN.

Tatsächlich hat das Haus angesichts der in jüngster Zeit zu verzeichnenden, eklatanten Zunahme rechtspopulistischer Bewegungen, im Rahmen ihrer finanziellen und personellen Möglichkeiten bereits Neujustierungen vorgenommen. Im Herbst 2015 reagierte die WERKSTATT DER KULTUREN auf die sich wandelnde Demographie in der Stadt und startete die seither stark nachgefragte, wöchentlich stattfindende Veranstaltungsreihe „Raum für Flucht“.

Jeden Mittwoch finden hier tagsüber Workshop- oder Veranstaltungsreihen wie arabischsprachige Chor-Proben, Erzähl-Workshops, Film- und Schauspiel-Workshops oder Sprachkurse von und für Geflüchtete statt. Abends dann findet sich bei Benefiz-Konzerten, Filmscreenings, Performances und Diskussionsrunden zu den Themen Flucht und Exil ein breites Publikum ein.

Und hier zeigt sich einmal mehr die Stärke und das Alleinstellungsmerkmal der WERKSTATT DER KULTUREN: Mit ihrer jahrzehntelangen Tradition der dreiteiligen Veranstaltungsproduktion bestehend aus eigen- und drittmittelfinanzierten Events, Kooperationen und Gastveranstaltungen kann sie anders als ein Repertoiretheater, das sich nicht zuletzt auch an den Bedürfnissen seines Publikums orientieren muss, schnell, hochflexibel und damit mit großer Effizienz auf die neuen diskursiven, künstlerischen und kulturellen Angebote und Herausforderungen reagieren, die sich aus der aktuellen Situation um Asylmigration und Exil ergeben.

Diese permanente, in der Regel sehr kurzfristig geplante Einbindung neuer, häufig wechselnder Kooperationspartner*innen und frisch in die Stadt gekommener Akteur*innen in den laufenden Spielbetrieb eröffnet neben dem naturgemäß stark diversifizierten Programm auch die Möglichkeit, sich und die Relevanz der so rasch entstehenden Produktionsformate zu überprüfen und entsprechend zu reagieren.

Hierdurch bildete sich in den vergangenen Monaten ein breites lokales und zugleich internationales Netzwerk, bestehend aus Arbeitsmigrant*innen und Exilant*innen die bereits vor Jahrzehnten hierher kamen, internationalen Student*innen und Wissenschaftler*innen, sowie Neuankömmlinge aus Äthiopien, Ägypten, der Türkei, Eritrea, Syrien oder Irak, die Deutschland als Destination für ihr Exil wählten.

Im kollektiven Bewusstsein Deutschlands ist der Begriff „Exil“ eng mit der Exilerfahrung deutscher Flüchtlinge verbunden, die in den 30er Jahren des vergangen Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten und anderswo um Asyl bitten mussten.

Nachdem totalitäre Regime in Argentinien, Chile, Iran und Südafrika in den 70er und 80er Jahren eine Welle der Asylmigration lostraten, wurden sowohl die Bundesrepublik Deutschland als auch die DDR Zielhafen für in ihrer Heimat politisch Unerwünschte. Auch sie wurden als Exilanten begriffen.

Im Zusammenhang mit den jüngsten Migrationsbewegungen aus Afrika und dem Nahen Osten fällt der Begriff „Exil“ im öffentlichen Diskurs hingegen nicht. Das stimmt nachdenklich. Im Rahmen ihrer thematischen Schwerpunktsetzungen untersucht die WERKSTATT DER KULTUREN diese Ungleichbewertung indem sie Bühnen und Räume schafft für Kunst, Kultur und Aktion.

 

Seit ihrer Eröffnung in 1993 ist die WERKSTATT DER KULTUREN ein Ort der Präsentation und Repräsentation der lokalen und globalen, der traditionellen und kontemporären Kulturpraktiken und Künste, sowie der intellektuellen und politischen Diskurse. In einer Welt, in der lokale und globale Fragestellungen untrennbar mit internationalen Migrationsgeschichten verbunden sind, feiert die WERKSTATT DER KULTUREN täglich ihr Leitmotiv: we celebrate cultural difference!

Als Mehrspartenhaus und Produzentin sehr unterschiedlicher Veranstaltungsformate macht sich die WERKSTATT DER KULTUREN zur Aufgabe, aktuelle kultur- und migrationspolitische Entwicklungen in den Blick zu nehmen und sie mittels unterschiedlicher Kunst-, Kultur- und Aktionsformen zu thematisieren.

Im Herzen von „Kreuzkölln“ schafft sie (Frei-) Räume zur Kommentierung und Mitgestaltung laufender Diskurse und zur Gestaltung und Sichtbarmachung von Kunst- und Kulturproduktionen aus den unterschiedlichen künstlerischen und kulturellen Milieus der Stadt – unter besonderer Berücksichtigung der Arbeiten von People of Color, Schwarzer Menschen und Angehöriger weiterer kultureller Minderheiten.

In ihrer Funktion als Plattform für Kunst, Kultur und Aktion ist die WERKSTATT DER KULTUREN ein Treffpunkt für die vielen Berliner*innen mit engen biographischen Bezügen zu unterschiedlichen Regionen und Kulturen der Welt – und damit auch zu unterschiedlichen kulturellen Milieus der Stadt.

So hat das Haus den gesellschaftlichen Megatrend von der kulturell relativ homogenen Gesellschaft des Nachkriegsdeutschland hin zu einer pluralistischen, und zu einem beträchtlichen Teil aus zahlreichen kleinen, aber wachsenden kulturellen Minderheiten bestehenden Bevölkerung sehr früh aufgegriffen und in ihrem Programm abgebildet. Lange war sie die einzige Institution nicht nur Berlins, die die Vielfalt migrantischer und marginalisierter Kultur-, Kunst- und Aktionsformen zum Programm machte und bis heute gibt es in Deutschland keine andere Einrichtung, die diesen Ansatz in einer ähnlichen Breite verfolgt.

So überrascht auch das Ergebnis der im Jahre 2014 der EU-finanzierte "Survey European Citizenship“ nicht, das feststellte, dass die WERKSTATT DER KULTUREN in Hinblick auf die Zahl ihrer durch Schwarze Menschen und PoC besetzte Leitungspositionen, alle anderen Berliner Kulturinstitutionen weit in den Schatten stellt.

2014 und 2015 wurde die Arbeit der WERKSTATT DER KULTUREN im Auftrag des Berliner Senats in zwei Analyserunden ("Programmdialog" und "Organisationsanalyse") evaluiert. Dabei wurde dem Haus eine erfolgreiche Arbeit bescheinigt. Die Empfehlungen beider Evaluationen fließen seitdem stark in die Programmgestaltung des Hauses ein.

Die WERKSTATT DER KULTUREN lässt sich aus drei verschiedenen Perspektiven beschreiben: aus der ihrer künstlerischen Sparten, ihrer Themen und ihrer Produktionsformate. 

KÜNSTLERISCHE SPARTEN

Die WERKSTATT DER KULTUREN ist ein Mehrspartenhaus: Das bedeutet, dass Musik, Film, Wort, Tanz, Performance und Ausstellungen Raum im Programm des Hauses finden, und zwar sowohl in eigenen Produktionen (ca. 10%) als auch in Kooperationen (ca. 40%) oder Gastveranstaltungen (ca. 50%). Hinzu kommen immer wieder themenorientierte spartenübergreifende Festivals. Gleichwohl nehmen Konzerte, lecture concerts, Instrumental-Workshops und Musik-Wettbewerbe und Musikfilm-Feste – also alle Veranstaltungsformate rund um das Thema Musik - den mit Abstand größten Raum ein. Warum das so ist, wird nachstehend erläutert.



  


Die WERKSTATT DER KULTUREN wird gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.