(Neo-)Kolonialismus Postkolonialismus Dekolonisierung

 
 

In einer post-kolonialen Welt ist es unabdingbar, die Geschichten aller Berliner Bürger*innen in Beziehung zu setzen und zu verhandeln, sich für die Verflechtungen ihrer Biographien zu interessieren und dabei nationalgeschichtliche Perspektiven zu überwinden. Und wenn eine Einrichtung dann noch den Namen eines Kolonialisten wie Hermann Wissmann in der Adresse stehen hat, kann sie eigentlich gar nicht anders, als sich mit der deutschen Kolonialgeschichte und ihren Folgen zu befassen.

2003, kurz bevor sich der Beginn des Maji-Maji Krieges, des mit 300.000 Opfern blutigsten deutschen Kolonialkrieges, zum 100. Mal jährte, begann die WERKSTATT DER KULTUREN mit einer bis heute andauernden Arbeit zum Thema.

Aus der Maji-Maji Arbeitsgruppe ging ein Großteil der Aktivitäten zur Dekolonisierung der Berliner Stadtlandschaft hervor, während gleichzeitig im Haus eine Vielzahl von Projekten zur Auf- und Bearbeitung deutscher Kolonialgeschichte durchgeführt wurden, wie beispielsweise die Veranstaltungsreihe 100 Jahre Maji Maji Krieg.

Weitere Produktionen und Veranstaltungen sind:

  • „1884“ – Kolonialgeschichte in Noten. Musikerinnen und Musiker afrikanischer Herkunft nahmen 2010 an einer Geschichtskonferenz in der WERKSTATT DER KULTUREN teil, die sich mit den Folgen der so genannten "Afrika-Konferenz" von 1884/1885 und Kolonialismus befasste. Unter Leitung des Musikers und Produzenten Jonas Bibi Hammond und des zwischenzeitlich verstorbenen großen Griots, Sängers und Perkussionisten Abdourahmane Gilbert Diop entwickelten daraufhin gemeinsam eine CD, die sich kritisch mit den historischen Ereignissen und ihren Auswirkungen bis in die Gegenwart auseinandersetzt.
  • das mit Prof. Paul Gilroy (King's College, London University), Prof. Nikita Dhawan, Rajeev Balasubramanyam und anderen sehr prominent besetzte Panel „Postcolonial Justice“.
  • die Vortragsreihe „Religion as Counterculture. African Prophets, Spirit Mediums and Muslim Saints under Colonial Rule“ von Prof. Cheikh Anta Babou (University of Pennsylvania)
  • die Workshop- und Performancereihe der RAA Berlin „Dekolonisiert euch!“
  • die Tagung „No Amnesty on Genocide“ des Bündnis Völkermord verjährt nicht!
  • Darüber hinaus fand im Haus der Launch des Audioguide „Kolonialismus im Kasten“ statt, der die ständige Ausstellung des Deutschen Historischen Museums um einschlägige Informationen ergänzt. 

Visuell wurde dieser Themenkomplex u.a. in zwei Ausstellungen behandelt:

  • „200 Jahre später…“, eine Hommage an diejenigen Frauen und Männer afrikanischer Herkunft, die den Mut und die Kraft hatten, Widerstand zu leisten gegen den europäischen Handel mit Menschen
  • und „Manufacturing Race. Contemporary Memories of a Building’s Colonial Past“, eine Ausstellung über die Geschichte und Erinnerungen an die koloniale Vergangenheit eines Gebäudes in der Ihnestraße 22, heute ein Gebäude des Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin - in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Berlin unter Leitung der Politikwissenschaftlerin Bilgin Ayata.


  


Die WERKSTATT DER KULTUREN wird gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.