Wissmannstraße

 

Öffentliche Erinnerung auf der Probe

Wenn man eine Straße nach einer Persönlichkeit benennt, tut man dies, um den Namen dieser Persönlichkeit aktuell und auf Zukunft hin zu ehren und an die Verdienste oder an Gegebenheiten, die mit der Persönlichkeit verbunden sind, zu erinnern. 1890 tat dies der Ort Neukölln, als er die Straße Nr. 150 zur Wissmannstraße machte. Hermann Wissmann war zuvor wegen seiner Verdienste um die Niederschlagung des *Araberaufstandes* in der damaligen Kolonie *Deutsch-Ostafrika* in den Adelsstand erhoben worden. Acht Jahre später wurde ihm im Grunewald eine weitere Straße gewidmet.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1993 ist sich die WERKSTATT DER KULTUREN der Last bewusst, die es bedeutet, in einer Wissmannstraße gelegen zu sein. Seitdem haben wir nach einer Gelegenheit gesucht, diesen Namen zu thematisieren, uns damit auseinanderzusetzen, was es heißt, dass der Wissmann ein Kolonialbeamter war. Die Bezeichnung als "Forschungsreisender" und als "einer der wagemutigsten und erfolgreichsten Afrikaforscher" wird Gewalttaten während des deutschen Kolonialisimus nicht gerecht und verschleiert historische Realitäten.

Die WERKSTATT DER KULTUREN hat bereits mehrfach den Wunsch nach einer Umbenennung der Wissmannstraße ausgedrückt (Pressemitteilung). Ein Gutachten des Bezirksamtes empfiehlt dringend eine Umbenennung der Wissmannstraße.

Anfang 2007 hat sich eine berlinweite Arbeitsgruppe rund um das Thema "koloniale Straßennamen" gebildet, an der neben der WERKSTATT DER KULTUREN auch AfricAvenir International, der Berliner Entwicklungspolitische Ratschlag, die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, die Internationale Liga für Menschenrechte, das Projekt "Unterm Teppich?", das Tanzania Network und Uwatab e.V. teilnehmen.

Als erster Schritt in diese Richtung wurde das hier vorliegende Dossier "Straßennamen mit Bezügen zum Kolonialismus in Berlin" erstellt.

Die WERKSTATT DER KULTUREN wird ihre weiteren Aktivitäten zur Umbenennung der Wissmannstraße in den Rahmen dieser Initiative stellen.

Im gleichen Kontext, mit ähnlichen Zielen arbeitet der im Sommer 2007 gegründete Verein "Berlin postkolonial e.V.", der aus der Wissmannstraßeninitiative und den vorausgehenden Aktionen der WERKSTATT DER KULTUREN zum Thema "100 Jahre Maji-Maji Krieg" hervor ging.