200 Jahre später

 

           

Abschaffung des transatlantischen Sklavenhandels

Gedenkveranstaltungen zum 200-jährigen Jubiläum

Anlässlich der international begangenen Gedenkfeierlichkeiten zur offiziellen Beendigung des transatlantischen Sklavenhandels vor 200 Jahren laden AfricAvenir International e.V. und die Werkstatt der Kulturen zu einer interdisziplinären Veranstaltungsreihe unter dem Titel "200 Jahre später..." ein.

Vom 23.-30. November 2008 gilt unsere Würdigung vor allem den Frauen und Männern, die den Mut und die Kraft hatten, sich gegen eines der größten Verbrechen der Menschheit aufzulehnen und es zu bekämpfen. Im Mittelpunkt unserer einwöchigen Veranstaltungsreihe steht daher eine eigens für dieses Jubiläum konzipierte und erstellte Ausstellung, welche die Protagonistinnen und Protagonisten des afrikanischen Widerstands porträtiert.

Daneben wird in Vorträgen, Workshops, Performances und Filmen die politische, kulturelle und ökonomische Situation Afrikas vor der europäischen Landnahme ebenso thematisiert wie die unterschiedlichen Widerstandsstrategien, welche die betroffenen Menschen auf dem afrikanischen Kontinent, während der Deportation und in den Amerikas entwickelten und die heute noch in der alltagskulturellen Praxis als Candomblé, Capoeira, Blues, Jazz oder Calypso gelebt werden.
 

Sonntag, 23.11.2008

16:00 Eröffnung

Begrüßung durch Philippa Ebéné, Geschäftsführerin Werkstatt der Kulturen, und Eric van Grasdorff, Vorsitzender, AfricAvenir International e.V.

Eröffnung durch Abdourahmane Diop mit einer westafrikanischen Invokation der Geister der Widerstandskämpfer_innen gegen den europäischen Sklavenhandel und die Sklaverei.

Michael Ojake liest aus der Autobiographie von Olaudah Equiano.

Wortbeiträge von:
Jean-Robert Saget, Botschafter der Republik Haiti in Deutschland (Download der Rede)
Dr. Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission
Olabiyi Babalola Yai, Chairman of the UNESCO’s Executive Board & UNESCO-Botschafter der Republik Benin

Murah Soarez, Performance: Tänze der Orixas


17:00 Vernissage

Ausstellung "Protagonist/innen des Widerstands" gegen den transatlantischen Sklavenhandel und die Sklaverei

Einführung: Prof. Ibrahima Thioub, Universität Cheikh Anta Diop, Dakar

Der transatlantischer Sklavenhandel unterschied sich wegen seiner enormen Brutalität, der Anzahl der betroffenen Opfer und den noch heute wirksamen wirtschaftlichen und psycho-sozialen Auswirkungen auf Afrika, die Amerikas und Europa ganz wesentlich von anderen Formen der Sklaverei.
Die Ausstellung "ProtagonistInnen des Widerstandes" porträtiert Frauen und Männer, die den Mut und die Kraft hatten, gegen eines der größten Verbrechen der Menschheit zu wirken, Menschen wie Tourssaint L'Ouverture, Nanny of the Maroons und Harriet Tubmann. Toussaint L'Ouverture setzte als Feldherr der Sklaverei in Haiti ein Ende. Nanny of the Maroons, die jamaikanische Nationalheldin, gründete 1720 "Nanny Town", eine freie Siedlung für entlaufene versklavte Afrikanerinnen und Afrikaner. Harriet Tubman, wurde als "Moses of the people" bezeichnet, da sie über die sogenannte Underground Railroad mehr als 300 in den USA Versklavte nach Kanada in die Freiheit führte.
Diese Ausstellung möchte auf in Deutschland weitestgehend unbekannte Kapitel der Menschheitsgeschichte und seine Protagonist/innen neugierig machen und zum Weiterdenken anregen.


18:00 Symposium

On Resistance and Resilience: Black Strategies of Self-Assertion
Mit Olabiyi Babalola Yai, Chairman of the UNESCO’s Executive Board, Prof. Ibrahima Thioub, Dr. Grada Kilomba
Moderation: Nadja Rahal, Journalistin

Which were the African and Black strategies of cultural survival? Which influences did enslaved African people have on the development of the societies and cultures they were forcefully migrated to? How has the deportation of 20-30 million Africans affected the African continent?


20:30 Filme

"Equiano, A Son of Africa" (Engl. OF)
USA, 1996, 28 Min.
Regie: Alrick Riley

Anhand der wohl bekanntesten Autobiographie eines versklavten Afrikaners analysiert dieser Film den sozialen und ökonomischen Kontext des Sklavenhandels im 18. Jahrhunderts. U.a. mit Stuart Hall

"Nat Turner – A Troublesome Property" (Engl. OF)
USA, 2002, 58 Min.
Regie: Charles Burnett

Der Film erzählt die Geschichte einer der erfolgreichsten Widerstandsbewegungen versklavter Afrikaner/innen in den USA..


Montag, 24.11.2008

18:00 Vortrag

Cultural Resistance
Vortrag (engl.) mit Publikumsgespräch
Mit Olabiyi Babalola Yai, Chairman of the UNESCO's Executive Board

Despite most sophisticated strategies to destroy cultural identity, inhuman working conditions, exploitation and disintegration of their social and economic systems, enslved Africans were able to ensure the survival of the key parts of their original cultures by partly assimilating new elements, but also by negotiating spaces and recreating social practices.


20:30 Film

"A Cidade das Mulheres" (OmenglU)
Brasilien, 2002, 72 Min.
Regie: Lazaro Faria

„A Cidade das Mulheres“ (Die Stadt der Frauen) zeigt ein intimes Portrait afrikanischer Religionen in Bahia, Brasilien, und das matriarchale System, das diese Traditionen aufrechterhält.
Anschließende Diskussion mit Dr. Grada Kilomba, Autorin


Dienstag, 25.11.2008

10:00 und 14:00 Ausstellungsführung für Schulklassen

Für Schüler/innen ab der 8. Klasse wird eine Führung durch die Ausstellung „Protagonist/innen des Widerstandes“ angeboten.


18:00 Vortrag

Zur Rolle der Haitianischen Revolution im Kampf gegen Sklaverei und transatlantischen Sklavenhandel
Vortrag (dt.) mit Publikumsgespräch
Mit Marie Biloa Onana, Literaturwissenschaftlerin, Humboldt Universität zu Berlin

1791 erhoben sich die Sklaven von Saint-Domingue gegen das "Mutterland" Frankreich. Es war der erste kollektive und erfolgreiche Sklavenaufstand der Neuzeit, der 1804 zur Gründung Haitis, des "Schwarzen" Staates und ersten unabhängigen Landes in Lateinamerika, führte. Gefragt wird hier nach der Bedeutung der Haitianischen Revolution für den Kampf gegen Sklaverei und Sklavenhandel. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Schwarzen Revolutionshelden Toussaint L'Ouverture.


20:30 FILM

"Land of Look Behind" (OmenglU)
USA, 1982, 90 Min.
Regie: Alan Greenberg

Land of Look Behind takes a leisurely swing around Jamaica during May and June, 1981 - the months following the death of Bob Marley, who popularized reggae music around the world. The beautifully shot film is a meditation on Jamaica’s music and religion, its traditions and its pride, the feel of its inhabitants’ everyday activities and some of their hopes for the future.
Anschließende Diskussion mit Prof. Clifford Jones.


Mittwoch, 26.11.2008

10:00 Filmvorführung für Schulklassen

Für Schüler/innen ab der 8. Klasse werden innerhalb des Programms "200 Jahre später..." Filmvorstellungen mit anschließender Diskussion angeboten.

"Passage du Milieu"
Frankreich, 2000
Regie: Guy Deslauriers

Die Geschichte der "Middle Passages", der Deportation von Afrikaner/innen in die Amerikas, erzählt aus der Perspektive des ruhelosen Geistes eines verstorbenen versklavten Afrikaners.
Anschließend Diskussion mit Prof. Babacar Sall, Universität Cheikh Anta Diop, Dakar.


14:00 Ausstellungsführung für Schulklassen

Für Schüler/innen ab der 8. Klasse wird eine Führung durch die Ausstellung "Protagonist/innen des Widerstandes" angeboten.


18:00 Vortrag

Political and economic history of Africa before the European conquest
Vortrag (engl.) mit Diskussion
mit Prof. Babacar Sall, Universität Cheikh Anta Diop, Dakar

In contrast to the usual Eurocentric opinion and imagination, in the 16th century the African continent was on a high level with vast kingdoms and prosperous cities. In addition to that, through trade Sub-Sahara Africa was well connected with all regions of the world. The transatlantic slave trade and the deportation of 20-30 million people has had a crucial impact on the further development of the African continent.


20:00 Film

"Retour à Gorée" (OmenglU)
Schweiz, 2008, 110 Min.
Regie: Pierre-Yves Borgeaud
Anschließend Diskussion mit Prof. Babacar Sall, Universität Cheikh Anta Diop, Dakar

Der Film ist ein musikalisches Road-Movie über die Reise Youssou N’Dours auf den Spuren der aus Afrika verschleppten Sklaven und ihrer musikalischen Kreativität.


Donnerstag, 27.11.2008

10:00 Filmvorführung für Schulklassen mit anschließender Diskussion

"Little Senegal" (OmdtU)
Algerien/F/D, 2002, 97 Min.
Regie: Rachid Bouchareb

Als ehemaliger Museumsführer im "Haus der Sklaven" auf Gorée beschließ Alioune, sich auf die Suche nach den Nachfahren und Nachfahrinnen seiner Ahnen zu begeben, die vor 200 Jahren als Sklaven und Sklavinnen in die USA deportiert wurden.
Anschließende Diskussion mit Prof. Ibrahima Thioub, Historiker, Universität Cheikh Anta Diop, Dakar


14:00 Ausstellungsführung für Schulklassen

Für Schüler/innen ab der 8. Klasse wird eine Führung durch die Ausstellung "Protagonist/innen des Widerstandes" angeboten.


18:00 Vortrag

The transatlantic slave trade as motor of the first wave of globalization
Vortrag (engl.) mit Publikumsgespräch
mit Prof. Ibrahima Thioub, Historiker, Universität Cheih Anta Diop Dakar

The slave trade was a modern and "economically successful" system that fuelled the first wave of globalization. From Caribbean sugar plantations to Peruvian mines to American tobacco plantations, slavery was essential to the economic development of the "New World".


20:00 Film mit anschl. Diskussion

"Little Senegal" (OmdtU)
Algerien/F/D, 2002, 97 Min.
Regie: Rachid Bouchareb
Anschließende Diskussion mit Prof. Ibrahima Thioub, Historiker, Universität Cheih Anta Diop Dakar


Freitag, 28.11.2008

10:00 und 14:00 Ausstellungsführung für Schulklassen

Für Schüler/innen ab der 8. Klasse wird eine Führung durch die Ausstellung "Protagonist/innen des Widerstandes" angeboten.


17:00 Filme mit anschl. Diskussion

"El quinto suyo. Los afrodescendientes en el Peru" (OmenglU)
Peru, 2002, 26 Min.
Regie: Fernando Espinoza

Der Film handelt von der Realität der Exklusion der Afroperuaner in der peruanischen Gesellschaft.

"El son de los diablos"
Peru, 2004, 56 Min.
Regie: Phillip Johnston / Rafael Santa Cruz

Der Film zeigt die Wiedergeburt der 300 Jahre alten Schwarzen Karnevalstradition Perus, die seit 2004 wieder verstärkt praktiziert wird.
Anschließende Diskussion mit Rafael Santa Cruz, Musiker, Regisseur


20:30 Konzert

Transmusikale feat. Rafael Santa Cruz
Afroperuanische Musik als Widerstandsstrategie (special guest: Virginia Yep)

Der renommierte Musiker und Musikhistoriker Rafael Santa Cruz ist ein Kenner und Verfechter der afroperuanischen Kultur und für seine herausragende Spielweise auf dem Cajon (Kistentrommel) bekannt. Dementsprechend wird der Cajon, der ein Mittel des kulturellen Widerstands peruanischer Sklaven gegen die Eroberer war, im Mittelpunkt des Konzerts stehen.
Kurator: Abdourahmane Gilbert Diop


Samstag, 29.11.2008

9:00 – 18:00 Workshop

Anti-Bias-Training: Von der Toleranz zur Transformation, Modul 1 (Teil 1)
mit Dr. Prasad Reddy

Das Training macht in der Gruppe emotional begreifbar, wie Diskriminierung funktioniert und regt dazu an, diese Mechanismen bewusst zu verlernen. In einem Prozess, der an den Erfahrungen der Teilnehmenden ansetzt, entwickelt die Gruppe alternative Betrachtungsweisen, die ermöglichen, nicht diskriminierende Handlungsformen für die eigenen Arbeits- und Lebenssituation zu entwerfen. Die eigene soziale und politische Kompetenz, Gruppen als Gemeinschaften zu gestalten, wird gesteigert und gestärkt.


11:00 – 17:00 Workshop

Capoeira als kreative Widerstandstechnik (Teil 1)
mit Sidney Martins, Mestre Saulo Souza, Mourah Soarez und Carlos Silva

Capoeira ist eine afro-brasilianische Sportart, deren Wurzeln auf die Sklavenzeit zurückgehen. Zu Rhythmus und Gesang bewegen sich mindestens zwei Personen in der Kreismitte. Capoeira wirkt wie eine rituelle Tanzform mit kreativen Akrobatikeinsätzen, Mimik und Körperausdruck. In den Bewegungen wird Dynamik und Beweglichkeit des Körpers, Aufmerksamkeit, Flexibilität, Reaktionsfähigkeit und Ausdauer trainiert.


19:00 Film

"Mandinga in Manhattan" (OmenglU)
Brasilien, 2005, 55 Min.

Anschließende Diskussion mit Sidney Martins, Capoeira-Meister


21:00 Konzert

Pape & Cheikh

Akustischer Mbalax und Folkmusic, mit einer der beliebtesten Bands aus dem Senegal.


23:00 Party

Afro Latin Sounds: Brazil, Drum'n'Bass, Latinelektro, Salsa, Calypso
mit DJ Grace Kelly, DJ Marflix


9:00 – 18:00 Workshop

Anti-Bias-Training: Von der Toleranz zur Transformation, Modul 1 (Teil 2)
mit Dr. Prasad Reddy


11:00 – 17:00 Workshop

Capoeira als kreative Widerstandstechnik (Teil 2)
mit Sidney Martins, Mestre Saulo Souza, Mourah Soarez und Carlos Silva


17:00 Performance

Finissage

Michael Ojake liest aus der Autobiographie von Olaudah Equiano
Capoeira Performance mit Sidney Martins, Mestre Saulo Souza, Mourah Soarez und Carlos Silva


20.00 Konzert

Three Kings feat. Jean-Paul Bourelly

Der ursprünglich klassisch ausgebildete Gitarrist und Sänger spielt heute einen Crossover , den er selbst "Blue Wave" nennt, eine originäre moderne Fusion, die das Band der musikalischen Sprache beschreibt, das die Verbindung zwischen Westafrika und der gegenwärtigen Erfahrung Schwarzen Lebens in Amerika formt.