BHM 2012

 
 

Test

           

der februar wird schwarz

Das Programm zum Black History Month 2012


Die Werkstatt der Kulturen (WdK) – einzige Berliner Kultureinrichtung, die ihren Fokus auf Transkulturalität setzt – widmete sich 2012 im Rahmen des Black History Month in der WdK dem Schwerpunkt “Brasilien”.

Es gab Capoeira- und Candomblé-Performances; Konzertabende mit Samba, Baião, Maracatu, Côco und Bossanova; eine Off-Berlinale von und mit afro-brasilianischen Filmschaffenden sowie Festas.

Außerdem errichtete der Babalorixá Murah Soares eine in Deutschland einmalige Sonderausstellung mit zehn verschiedenen Altären des Candomblé in der WdK.

Wir danken dem FORUM BRASIL für die Zusammenarbeit!

Außerdem den Fotograf_innen, die unser Programmheft & die Website zum BHM 2012 mit ihren Werken bereichert haben: Daniela Incoronato, Fernando Miceli, Stephan Röhl, Pasche, filmkantine.

Und, last but not least, den stillen Helfer_innen im Hintergrund, ohne die nichts geht: Rusen Eser-Bernard & Margret Aumann, Nasi Nikpay, Susanne Renken, Lena Buck, Peter Schöber und Paul Räther!

Außerdem danken wir dem Deutschen Technikmuseum für die Bereitstellung einer Vitrine sowie Blumen Trangly, Marienburgerstraße 8 in 10405 Berlin, für die Hilfe beim Schmücken der Altäre!

Ausstellung

Altäre des Condomblé

Für den BHM 2012 errichtete der in Berlin ansässige Babalorixá Murah Soares eine in Deutschland einmalige Sonderausstellung mit zehn verschiedenen Altären des Candomblé in der WdK.

  


Der Candomblé ist eine afro-brasilianische Religion, deren Ursprung in der Religion Ifá liegt, die im alten Yoruba-Reich (heutiges Benin und Südwestnigeria) entstand.

Die Stadt Ile-Ife war seit ältester Zeit ihr religiöses Zentrum. Vom 8.-15. Jahrhundert erlebte sie ihre Blütezeit. Trotz Islamisierung und Christianisierung ist Ifá auch heute noch fester Bestandteil des kulturellen und spirituellen Lebens vieler Yoruba.

Im Zuge der europäischen Versklavung von AfrikanerInnen und ihrer anschließenden transatlantischen Deportation in die Amerikas, wurden v.a. Angehörige der Yoruba, Ewe, Fon und Bantu nach Brasilien verschleppt. Ihre Religionen und die dazugehörige Musik nahmen sie mit. Jahrhundertelang von der katholischen Kirche als »Naturreligion « diskreditiert und verfolgt, glaubt auch der Candomblé an einen allmächtigen Gott (Olurun) als höchstes Prinzip. Wegen seiner überwältigenden Kraft wird er jedoch nur selten direkt verehrt. Stattdessen werden seine göttlichen Aspekte – die Orixás – angerufen.

Candomblé - Religion, Kultur, Lebensstil

Die einzelnen Orixás haben jeweils spezifische Eigenschaften. Ihnen werden bestimmte Farben und Symbole zugeordnet und sie erfahren jeweils eine ganz eigene Form der Verehrung und Anrufung durch unterschiedliche Tänze, Rhythmen, Gebete, Gesänge und kunstvoll geschmückte Altäre, die zu festgelegten Terminen und Zeiträumen errichtet werden. Auf diesen von PriesterInnen des Candomblé geschmückten Altären, werden dem jeweiligen Orixá zugeordnete Opferspeisen, Getränke, Insignien oder auch Pflanzen und Mineralien ausgestellt bzw. dargebracht.

Die PriesterInnen im Candomblé, die Yalorixás (weiblich) und Babalorixás (männlich), sind HeilpraktikerInnen, TherapeutInnen, WeissagerInnen und LebensberaterInnen in Einem. Mit Hilfe des Orakels Ifá erkennen sie sowohl für die Gemeinschaft, als auch für jeden einzelnen, für den sie das Orakel befragen, was aus der Balance geraten ist oder in eine Schieflage abzugleiten droht. Sie können erkennen, durch welche Rituale, Kräuter, Waschungen und Zeremonien Harmonie und gegebenenfalls Heilung auf geistigseelischer Ebene wiederhergestellt werden kann und schaffen so die Voraussetzung dafür, dass sich körperliche und geistige Gesundheit einstellen kann oder erhalten bleibt. Der Candomblé ist damit nicht nur Religion, sondern auch Kultur und Lebensstil.

Todesstrafe fürs Trommeln

Der Candomblé hat auch Weltanschauungen der brasilianischen First Nations in seine Praxis integriert. Im sakralen Liederkanon wird jedoch deutlich, dass die Musiktraditionen des Candomblé eng verwandt sind mit anderen afro-amerikanischen Religionen: Obgleich über Jahrhunderte voneinander isoliert, werden bei Ritualen zu Ehren der Orixás in Brasilien und Kuba bis heute die gleichen Lieder in einem altertümlichen Yoruba gesungen.

Im Gegensatz zu Nigeria und Benin, wo Ifá heute eher patriarchal organisiert ist, hat sich in Brasilien der Candomblé über die Jahrhunderte zu einer der wenigen von Frauen dominierten Religionen weltweit entwickelt. Aus einem einfachen Grund: Afrikanischen Männern wurde von portugiesischen Menschenhaltern und Plantagenbesitzern die Ausübung ihrer Religion – insbesondere das als bedrohlich wahrgenommene Spiel der Trommeln – unter Androhung der Todesstrafe verboten. Bis in die späten 60er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein in Brasilien verfolgt, wurde der Candomblé erst in den 70er Jahren offiziell als Religion anerkannt.

Heute nehmen in Brasilien rund 70 Mio. Menschen an Candomblé-Ritualen teil. 2005 wurde das Ifá-Kulturerbe zum UNESCO Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit ernannt.

Tanztheater

PERFORMANCE: Ossayins Liebeszauber

  

YEMANJÁ, Königin der Meere, kocht für ihre beiden Söhne, den grobschlächtigen Orixá des Metalls OGUM, und den zielsicheren Orixá der Jagd, OXOSSI. Nach dem Beisammensein drängt es OXOSSI in den Wald, zur Jagd. Seine Mutter YEMANJÁ hat eine böse Vorahnung und versucht, ihn davon abzuhalten. OXOSSI geht dennoch. Im Wald trifft er auf den zweigeschlechtlichen Orixá der Heilkräuter und der Natur, OSSAYIN. Diese/r fühlt sich durch den Jäger OXOSSI, der das empfindliche Gleichgewicht des Waldes zu stören droht, einerseits bedroht, anderseits angezogen. Aus Waldkräutern bereitet sie/er einen Liebestrank für den ahnungslosen OXOSSI: OXOSSI verliebt sich in OSSAYIN, die/der seine Liebe erwidert, und beschließt, den Wald nie wieder zu verlassen. Die besorgte YEMANJÁ schickt nun ihren Sohn OGUM auf die Suche nach dessen jüngeren Bruder OXOSSI. OGUM schlägt eine Schneise durch den Wald. OSSAYIN bietet auch ihm den Liebestrank an. Und auch OGUM nimmt das Liebesgift zu sich – und verfällt dem Zauber OSSAYINS. Doch seine Liebe bleibt unerwidert...

 
 

Besetzung:

Murah Soares - Choreografie & Tanz
Meryl Prettyman, Shirley Rodrigues, Nem (Nei) - TänzerInnen
João Eduardo Albentini - Sprecher
Juninho Quebradera, Valdir Juvenal, Forró Alabê, Leo – Perkussion