Artist of the Month

 

Artist of the Month

Januar 2017 - JAWAD SALKHORDEH

Dezember 2016 - DANIEL KAHN
November 2016
- HAKIM EL HACHOUMI
Oktober 2016 - NORA AMIN
Juli 2016
- MUSA OKWONGA
Juni 2016
- ESTHER BEJARANO
Mai 2016
- YVONNE MWALE
April 2016
- MOUSSA COULIBALY
März 2016
- AKIRA ANDO
Februar 2016
- MFA KERA


ARTIST OF THE MONTH JANUAR 2017: JAWAD Salkhordeh

Der Perkussionist Jawad Salkhordeh spielt am 27. Januar 2017, in unserem Haus mit seinem Projekt Duo Safar, denn der komplette Januar steht bei uns im Zeichen der Global Drums. Zusammen mit dem Schlagzeuger Jacob Przemus begibt sich Jawad Salkhordeh auf eine musikalische und experimentelle Reise zwischen Moderne und Tradition, vom Kaspischen Meer bis an die Copacabana.

    

Bereits am 17. Dezember 2016 begeisterte er das Berliner Publikum mit persischer Klassik und nordiranischer Volksmusik beim Konzert des Trio Moj in der WERKSTATT DER KULTUREN. Mit den Saiteninstrumenten Setar, Tar und Oud, dem Streichinstrument Kamancheh und den Perkussions-Instrumenten Tonbak und Daf fügte sich mit Mohammad Reza Alizadeh und Pouya Khoshravesh ein Ensemble zusammen, dass gekonnt klassische persische Sounds zu einer allgegenwärtigen Sprache des Exils weiterarrangiert .

WERKSTATT DER KULTUREN: Lieber Jawad, seit wann machst du Musik in Berlin?

Jawad Salkhordeh: Ich komme aus dem Nordiran, Ghaemshahr. Da habe ich Musik gelernt. In meiner Familie mutterseits gab es schon andere Musiker*Innen. Ich kam 2007 nach Europa im Rahmen einer Tournee. Dann habe ich erstmal in Köln und Düsseldorf gelebt. 2010 zog ich nach Berlin; ich fand die Stadt sehr offen, und dachte, ich könnte mich hier musikalisch gut weiterentwickeln. Mein Hauptinstrument ist die Tonbak. Ich spiele auch eine andere Trommel, die Daf, sowie Setar, eine Langhalslaute.

WDK: Wie kam das Projekt „Duo Safar“ mit Jakob Przemus zustande?

J.S.: Ich habe Jakob vor zwei Jahren kennengelernt. Er hatte einen Tombak in Irak gekauft und suchte nach jemandem, der ihm weiterhelfen könnte, damit zu spielen. Wir haben uns dann entschieden, das „Duo Safar“ zu gründen. „Safar“ bedeutet „Reise“ auf persisch. Es geht uns darum, eine musikalische und kulturelle Brücke zwischen Iran und Deutschland zu bauen. Unser erstes Album wird 2018 veröffentlicht, und wir planen Konzerte in Iran für 2017.

WDK: Spielst du in anderen Bands?

J.S.: Ja, ich bin auch Trommler im „Trio Moj“, wo wir persische Klassik und nordiranische Volksmusik spielen. „Moj“ bedeutet „Welle“. Wir haben im Dezember in der WERKSTATT DER KULTUREN gespielt. Die anderen Musiker, Mohammad Reza Alizadeh und Pouya Khoshravesh, kommen aus der selben Region im Nordiran wie ich. Wir haben schon als Jugendliche zusammen Musik gemacht. Es war sehr berührend für mich, mit ihnen nach 10 Jahren gemeinsam zusammen auf einer Bühne zu spielen.

WDK: Spielst du auch mit nach Berlin neu geflüchteten Musiker*Innen?

J.S.: Ja, ich spiele auch im Berliner Ensemble Babylon Orchestra. Es gibt 18 Musiker*Innen: die Hälfte ist aus Syrien und Irak und der Rest aus der ganzen Welt: Deutschland, Mexiko, Kenia, Russland, Griechenland usw. Es sind in den letzten Monaten viele gut ausgebildete Musiker*innen aus Syrien in der Stadt angekommen.

Im folgenden Trailer könnt ihr die Künste des Duo Safar schon mal bewundern: 


Artist of the Month DEZEMBER 2016: Daniel Kahn



     Vom 8. bis 11. Dezember 2016 findet das Festival Shtetl* Neukölln in unserem Haus statt, das Festival für jiddische Kultur mit Berliner Musiker*innen in Neuköllner Veran-staltungsorten. Zu dessen Highlights gehört das Konzert von Daniel Kahn.
Der Sänger, Komponist, Schauspieler und Regisseur ist geboren und aufgewachsen in Detroit, seit 2005 lebt er in Berlin. Er wird als einer der wichtigen Erneuerer der jüdischen Musik betrachtet.
Während unseres Interviews war er im Flughafen auf dem Weg zu seinem nächsten Projekt. Er nahm sich aber Zeit für uns, um auf unsere Fragen einzugehen:

*„Shtetl“ war die Bezeichnung für Dörfer oder Stadtteile mit hohem jüdischen Bevölkerungsanteil in Osteuropa.

WERKSTATT DER KULTUREN: Lieber Daniel Kahn, momentan machst du mehr Theater als Musik, richtig?
Daniel Kahn: Ich mache beides. Ich ziehe keine Grenze zwischen Theater und Musik. Gerade fliege ich nach Palermo für das Festival „Teatro Bastardo“. Da mache ich Musik für Theater. Auch beim Gorki-Theater für das Stück „Angst essen Seele auf“. Aber ich spiele auch oft mit meiner Band „Painted Birds“ und in zwei weiteren Ensembles. Ich spiele bald in New York und Dresden auf jiddischen Festivals.

WDK: Das Festival Shtetl Neukölln feiert den 140. Geburtstag des jüdischen Poeten und Liedermachers Mordechai Gebirtig. In der Presse wirst du oft als einer der Künstler*innen beschrieben, die das Erbe von Gebirtig weitertragen. Deiner Meinung nach, was macht Gebirtig besonders im Vergleich zu anderen Künstler*innen, die die Zeit des Holocaust erlebten?
D.K.: Gebirtig war einer der größten Volkspoeten des 20. Jahrhunderts. Mit Humor konnte er den kulturellen Wandel seiner Zeit und die Sprache der Arbeiter*innen in seine Lyrik einbeziehen. Er war einfach ein Volksmensch. An seinem Wohnhaus in Krakau gibt es eine Tafel, auf der steht: „Hier wohnte Mordechai Gebirtig. Tischler, Poet, Sänger“.

WDK: Beim Festival Shtetl Neukölln leitest du von Freitag bis Samstag selber Workshops. Was bietest du an?
D.K.: Es ist ein Lieder-Workshop. Wir werden mit alten und neuen jiddischen Liedern arbeiten, im Chor oder Solo. Wir werden die Lieder auch ins Englische und Deutsche übersetzen.


 


Artist of the Month NOVEMBER 2016: Hakim El-Hachoumi

      

"Musik ist immer ein Spiegel der Gesellschaft“, meint der in Berlin lebende Kurator des 1. creole Musikfilmfestes, der Regisseur und Filmkritiker Hakim El-Hachoumi aus Casablanca. „Sie öffnet eine Tür zu politischen, kulturellen und sozialen Fragestellungen und Themen im Allgemeinen. Unser Festival erzählt Geschichten, die hinter der Musik liegen«. Die Erstauflage des creole Musik-Filmfestes, unter Leitung von Hakim El-Hachoumi, titelt »Von Marokko bis Afghanistan« und findet vom 11. bis 13. November statt.

Nach Ende seines Mathematikstudiums in Marokko studierte Hakim El-Hachoumi Regie in Paris und St. Petersburg. Er arbeitete in verschiedenen Theaterproduktionen in Marokko, Paris und Berlin. Heute lebt Hakim El-Hachoumi in Berlin und arbeitet als freischaffender Filmemacher, Autor sowie als Dozent an der Freien Universität Berlin. 

 

Gespräch mit Hakim El-Hachoumi und Nasser Kilada, Gewinner der 5. creole Berlin Brandenburg

 



Artist of the Month Oktober 2016: Nora amin

Am 13. Oktober tritt Nora Amin zusammen mit Jacob Stage und ihrer Performance-Lesung The Other Body im Rahmen der Arabischen Filmreihe "Beyond Spring" in der WERKSTATT DER KULTUREN auf. 

Nora Amin ist ägyptische Theaterregisseurin, Darstellerin, Autorin und Choreographin. Seit 2000 ist sie die Gründerin und künstlerische Leiterin der Unabhängigen Lamusica Theater Gesellschaft, für die sie 36 Theater-, Tanz- und Musikstücke produzierte. 2011 hat sie außerdem das ägyptische Nationalprojekt des Theaters der Unterdückten und dessen Netzwerk begründet. Sie ist Autorin von "Migrating the Feminine" über die Transgressionen weiblicher Körperlichkeiten im öffentlichen Raum. Unten findet ihr ein spannendes einstündiges Interview von Berlin Community Radio mit der beeindruckenden Künstlerin über den Tahrirplatz und die Präsenz von Frauenkörpern im öffentlichen Raum in Ägypten. Absolut hörenswert!
 

Interview mit Nora Amin über den Tahrirplatz von Berlin Radio Community:



Weitere Infos zur Performance am 13. Oktober 2016 im
Spielplan und auf Facebook.

     

In einem Zeitungsartikel schreibt Nora Amina im Januar 2016:

"Der Körper der arabischen Frau steht in der Öffentlichkeit, in der arabischen wie in der westlichen, immer allein: Dieser Körper ist ein Minenfeld der Konnotationen, eine Projektionsfläche für Imaginationen und Vorurteile, für Beschuldigungen und Erniedrigungen. Der weibliche arabische Körper kann überall nur verlieren, gegen Kodierungen verstoßen, um schließlich selbst verstoßen zu werden."


Im Interview mit dem
International Research Center "Interweaving Performance Cultures" der FU Berlin (Januar 2016) spricht Nora Amin über ihren Weg zu Theater, Performance und ihre feministischen künstlerischen Interventionen:

Video Interview with IRC Fellow Nora Amin from TEXTURES on Vimeo.


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ARTIST OF THE MONTH JUli 2016: MUSA OKWONGA

Am 16. Juli tritt der Poetry-Slammer Musa Okwonga beim CARNIVAL OF LITERATURES in der Universität Potsdam auf. Am 15. und 16. Juli 2016 feiert der CARNIVAL OF LITERATURES in seiner ersten Edition PLANET CRIME anglophone Krimi-Autor*innen aus Afrika und Asien und ihren Diasporas.
 

 

     Musa Okwonga, ansässig in Berlin, ist auch Dichter, Journalist und Musiker. Als Sohn aus Idi Amin’s Uganda Geflüchteter studierte er zunächst Jura an der University of Oxford, ehe er eine Karriere als Jurist zu Gunsten der Dichtkunst aufgab. Der Sieger der 1996 WHSmith Young Writers Competition ist Autor zweier Bücher über Fußball – „A Cultured Left Foot“ (Duckworths) sowie „Will You Manage?“ (Serpent’s Tail) – von denen ersteres 2008 für den William Hill Sports Book of The Year Award nominiert worden ist. Als Journalist und Kommentator hat er Gastkommentare und Artikel für verschiedene Stellen geschrieben, darunter The New Statesman, Al-Jazeera, Foreign Policy, The Guardian und MONOCLE.

WDK: Kannst du dich kurz vorstellen?
M.O.: Ich bin in London geboren, und meine Eltern kommen aus Uganda. Sie sind nach Großbritannien als Geflüchtete ausgewandert, um denm Regime von Idi Amin zu entfliehen.

WDK: Der CARNIVAL OF LITERATURES ist ein Festival für Krimiliteratur. Du hast Jura studiert. Hast du nie daran gedacht als Rechtsexperte einen Kriminalroman zu schreiben?
M.O.: Ja, ich habe schon daran gedacht. Es kann schon sein, dass ich irgendwann einen Krimiroman schreibe. Ich habe es geliebt, an der Universität Strafrecht zu studieren – das erste Jahr war Strafrecht mein Hauptfach. Und als Kind waren meine ersten Lieblingsbücher Alfred Hitchcocks Serie „Die Drei ???". Ich denke, dass er ca. 30 Bände von dieser Serie geschrieben hat. Also ja, eines Tages würde ich gerne eine rasante Krimigeschichte mit vielen Wendungen schreiben.

WDK: Du bist auch Fußball-Autor und hast einen Artikel in deinem Blog über die rassistischen Kommentare des AfD-Vorsitzenden Alexander E. Gauland über den deutschen Nationalspieler Boateng geschrieben. Was sind deiner Meinung nach die Zusammenhänge zwischen Fußball, Nationalismus und Rassismus? Kannst du die Europameisterschaft 2016 kommentieren?
M.O.:
Leider sind die historischen Zusammenhänge ziemlich klar. Fußball ist eine mächtige und verbindende Kraft, die aber auch von vielen Gruppen benutzt wird, um die Menschen auseinander zu dividieren. Schau dich mal den Schaden an, den 150 russische Hooligans in Marseille während der EM 2016 verursacht haben. Leider kann der leidenschaftliche Tribalismus im Sport zu ziemlich erschreckendem Verhalten führen.

WDK: Wie fühlst du dich als britischer Autor in Deutschland? Performst du auch auf deutsch?
M.O.:
Es ist super. Es gibt viele wunderbare Städte, wo ich auftreten kann. Ich hatte schon Lesungen in München, Heidelberg und Bayreuth. Ich performe noch nicht auf deutsch, aber lass mir noch ein paar Jahre Zeit, und ich werde sehen, was ich tun kann.


ARTIST OF THE MONTH JUNI 2016: ESTHER BEJARANO

Am 9. Juni spielen Esther Bejarano und Microphone Mafia in der WERKSTATT DER KULTUREN, unter Mitwirkung von Schüler*innen der Walter Gropius Schule.

Esther Bejarano ist eine der letzten Überlebenden des Auschwitz Mädchenorchesters. Sie überlebte den NS Terror in den Lagern von Auschwitz und Ravensbrück. Nach der Befreiung heiratete sie einen türkischen Juden und lebte zunächst in Israel/Palästina, dann in Hamburg, wo sie in der Friedensbewegung Heimat fand. Sie ist Mitbegründerin und Vorsitzende des Internationalen Auschwitz Komitees und Ehrenvorsitzende des Vereins der Verfolgten des Naziregimes.
 

    

Die Musikerin singt mit über 90 Jahren noch in der multikulturellen Kölner Rap-Kombo "Microphone Mafia" mit ihrem Sohn Joram Bejerano gegen Rassismus. Esther Bejarano ist eine aufmerksame Beobachterin des politischen Zeitgeschehens und tritt entschieden für die Rechte Geflüchteter ein. Angesichts des gegenwärtigen Aufkommens einer Neuen Rechten (AfD / Pegida) warnt sie eindrücklich: "Der Satz "Wehret den Anfängen!", ist längst überholt, wir sind mittendrin!"

WERKSTATT DER KULTUREN: Sie sind Akkordeonspielerin. Am 9. Juni treten Sie aber als Sängerin auf. Wieso?
Esther Bejarano: Ich bin aus der Not Akkordeonspielerin geworden. Ich bin eigentlich ausgebildete Klavierspielerin. Das habe ich schon mit 6 Jahren gelernt. Als ich aber im Konzentrationslager war, erlaubte mir das Akkordeonspielen die Arbeitskolonne und das Schleppen von schweren Steinen zu vermeiden. Im KZ habe ich erfahren, dass Akkordeonspieler gesucht wurden. Deswegen habe ich Akkordeon gelernt.
Nach dem Krieg bin ich nach Israel gezogen, dort habe ich Gesang gelernt. Seit 24 Jahren bin ich Sopranistin.

W.D.K.: Ihr Sohn tritt auch am 9. Juni in der WDK auf. Seit wann machen Sie Musik zusammen?
E.B.: Meine Tochter hatte in Israel eine Gruppe gegründet, wo wir Lieder aus dem Ghetto in vielen Sprachen sangen. Mein Sohn gehörte auch dazu. Später in Deutschland spielte er mit mir zusammen mit den Rappern von Microphone Mafia.

W.D.K.: Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Hip-Hop Künstlern von Microphone Mafia enstanden?
E.B.: Ich wurde gefragt, ob ich mit ihnen eine CD machen würde. Die Idee war, etwas gegen die Nazi-CDs zu machen, die in den Schulen vertrieben werden - CDs mit rassistischen oder antisemitischen Inhalten. Mit Microphone Mafia haben wir zwei Alben veröffentlicht: "Per la Vita" (2009) und La Vita Continua (2013).

W.D.K.: Das Konzert wird auch in Zusammenarbeit mit der Walter Gropius Schule in Neukölln organisiert. Besuchen Sie oft Schulen? Was ist Ihre Botschaft und wie reagieren die Schüler*Innen darauf?
E.B.: Ich gehe andauernd in Schulen, wo ich Lesungen aus meinem Buch Erinnerungen halte. Ich erzähle Ihnen, was ich in der Nazi-Zeit erlebt habe. Meine Botschaft ist klar: Man muss gegen Nazis sein. Die Schüler*innen reagieren sehr positiv darauf: ich bekomme ständig Dankesbriefe von ihnen.

W.D.K.: Sehen Sie Parallelen zwischen Antisemitismus damals und dem heutigen antimuslimischen Rassismus?
E.B.: Natürlich gibt es Parallelen. Davon habe ich schon mehrmals öffentlich geredet.
Erstens gibt es Nazi-Parteien oder Organisationen wie die AfD oder Pegida, die laut Grundgesetz verboten sein sollten. Im Grundgesetz ist doch geschrieben, dass jede Nachfolger-Partei von der NSDAP verboten ist. Es ist aber nicht der Fall. Es gibt sogar immer mehr neue Nazi-Vebände, -Vereine, sogar studentische Organisationen. Es wird aber nichts dagegen gemacht.
Dieser Aufstieg von rassistischen Gruppierungen findet man in ganz Europa, das ist sehr gefährlich.
Eine andere Parallele ist zum Beispiel die Karikatur von Muslimen in Frankreich: Damals wurden die Juden in Zeitungen wie der Stürmer karikaturiert.
 

Kommt zum Konzert von Esther Bejarano und Microphone Mafia am 9. Juni und ladet eure Freund*innen auf Facebook ein!

Hier noch ein Konzert von Esther Bejarano und Microphone Mafia bei der Kabarett-Sendung der „Anstalt“.
 

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ARTIST OF THE MONTH MAI 2016: YVONNE MWALE

Yvonne Mwale, die junge Powerfrau aus dem Land der Viktoriafälle, mischt derzeit mit ihrem neuen Album “Ninkale – Let Me Be” die Weltmusikszene gründlich auf. Begnadete Stimme, faszinierende Persönlichkeit und großartige Komponistin: Yvonne Mwale gelingt es die Herzen ihres Publikums im Sturm zu erobern und Menschen zu berühren.

Am 20. Mai tritt sie in der WERKSTATT DER KULTUREN in unserer World Wide Music-Reihe auf. Wir haben ein kleines Interview mit dieser besonderen Künstlerin geführt - lest selbst!
 

Aufgewachsen ist Yvonne Mwale im Territorium der Nsenga in Sambia, später in Lusaka. Sie verkörpert die Musik der afrikanischen Diaspora. Statt Pop und elektronischer Musik fließen in ihre Kompositionen die Rhythmen und Gesänge ihrer Heimat als Vorlage ein, die sie als Kind so oft hörte. Doch Yvonne Mwale geht noch einen Schritt weiter: Gekonnt erweitert sie ihr Repertoire mit Stilelementen des Jazz und Blues. Mit Erfolg: Diverse Preise im Bereich der Welt- und Jazzmusik bestätigten Yvonnes Talent auf eindrucksvolle Weise.
 

WERKSTATT DER KULTUREN: Liebe Yvonne, wie hast du mit Musik angefangen?

Yvonne Mwale: Ich begann als Kind zu musizieren. Meine Eltern waren Musiker*innen, meine Mutter war auch Tänzerin. Damals habe ich noch im östlichen Teil von Sambia gelebt. Nach dem Tod meiner Eltern zog ich in die Hauptstadt Lusaka. Dort spielte ich zusammen mit meinem Bruder in der Hip Hop Band “B-Sharp” und begann, professioneller zu arbeiten. Damals habe ich nicht nur in Clubs gespielt, sondern auch bei Hochzeiten. Ich war unter anderem für meine ABBA-Covers bekannt. Danach veröffentlichte ich mein erstes Album, “Kalamatila”, auf dem sich Jazz, Reggae und traditionelle Musik aus Ostsambia vermischen.

WDK: In deinem letzten Album “Ninkale” findet man mehr Soul und Blues, aber kein Reggae-Lied. Wieso?
Y.M.: Mir war persönlich Reggae zu einfach. Ich wollte musikalisch weiterkommen. Ich möchte eine spirituellere Musik kreieren, in der ich mit meiner Stimme mehr spielen kann.

WDK: Worum geht es in deinem Song “Fight like a soldier” von deinem ersten Album?
Y.M: In diesem Lied versuche ich, anderen Kraft zu geben und dazu zu ermutigen, in schwierigen Zeiten stark zu bleiben. Man muss selbst für sein Glück arbeiten, in seinem Leben oder in der Karriere. Durch diese Einstellung konnte ich selber als Straßenkind überleben und meine Träume verwirklichen.

Kommt zu Yvonne Mwales Konzert am 20. Mai und ladet eure Freund*innen auf Facebook ein!

Hier noch eine kleine Hör- und Sehprobe: Fight like a Soldier!

 


Artist of the Month APRIL 2016: MOUSSA COULIBALY

Der Griot*-Musiker Moussa Coulibaly spielt am 29. April in unserem Club in unserer World Wide Music-Reihe, zusammen mit seiner Band LONITIBA. Seine Kompositionen sind stark beeinflusst durch seinen Geburtsort, dem "Dorf Coulibaly“, das im Westen Burkina Fasos liegt, direkt an der Grenze zu Mali.
Moussa Coulibaly und seine Band spielen eine Vielzahl westafrikanischer Instrumente: Balafon pentatonique, Balafon malinque, Ngoni, Djielingoni, Djembe, Tama, Kenkeni, Doundoun, Marakass, Kania, Saxophon, E-Bass, Tanz. Gesungen wird in den Sprachen Dioula und Bwamu.

Wir haben zwei Interviews mit ihm geführt, einmal zum Nachlesen und einmal zum Nachhören und -sehen mit kleiner Musikvorstellung auf dem Dach der WERKSTATT DER KULTUREN. Zauberhaft, diese Ngoni!

Video: Interview in der Werkstatt der Kulturen mit Moussa Coulibaly (14. April 2016)
 


Interview mit Moussa Coulibaly (30. März 2016)

 

WERKSTATT DER KULTUREN: Am 29. April wirst du mit deiner Band Masu-Rhythmen, Tanz und Gesang aus Burkina Faso spielen. Was bedeutet das Wort “Masu”?

Moussa Coulibaly: Masu bedeutet “Haus”. Damit meine ich, dass wir Musik aus meinem Dorf machen. Ähnliche Musik habe ich ich mit meiner Familie in Burkina Faso gespielt. Coulibaly ist mein gebürtiger Name, und auch der Name meines Dorfes.

WDK: Kommst du aus einer Griot-Familie?

M.C.: Ja, in meiner Familie sind wir seit Generationen Griot*innen. Es wurde mir von Frauen und Männern meiner Familie, von meinen Großeltern weitergegeben. Bei ihnen habe ich meine musikalische Ausbildung gemacht und so Gesang, Balafon, Tama, Ngoni und Djembe gelernt. Meinen Kindern bringe ich das alles auch bei.

WDK: Ursprünglich war es auch die Aufgabe der Griot*innen, politische Inhalte zu vermitteln? Ist es bei dir auch so?

M.C.:
Ja, in der Tradition waren Griot*innen Vermittler*innen zwischen den Menschen und Regierenden sowie Journalisten oder politischen Sprecher*innen. Sie waren dazu da, um die Menschen über Themen zu sensibilisieren und auch ihr Alltagsleben den Regierenden zu schildern. In meiner Musik singe ich viel über Liebe, Solidarität, dass wir mit Mut und Zusammenarbeit gemeinsame Ziele erreichen können.

WDK: Mit deiner Band Lonitiba spielt ihr eine Vielzahl westafrikanischer Instrumente: Balafon pentatonique, Balafon malinque, Ngoni, Djielingoni, Djembe, Tama, Kenkeni, Doundoun, Marakass, Kania.
Was ist der Unterschied zwischen Balafon pentatonique und Balafon malinque?

M.C.: Das Balafon pentatonique ist der traditionelle große Balafon, das überwiegend in Burkina Faso, Mali und Elfenbeinküste vertreten ist. Das Balafon malinque wird mehr mit westlichen Instrumenten begleitet: Bass, Saxophon, Flute. Es kommt aus Mali, Guinea und Burkina Faso.

Griot: "Die Griot-Tradition hat sich in Westafrika erstaunlich lange gehalten: ihre Ursprünge gehen auf das Reich der Malinke zurück, das sich vor 700 Jahren vom heutigen Senegal bis Timbuktu und Gao in Mali erstreckte und selbst Teile der Elfenbeinküste umschloss. Griots dienten am Hofe als Berater, sie waren Geschichtenerzähler, Musiker und Preissänger; sie alle gingen aus fünf führenden Griot-Familien hervor."
John James: Elfenbeinküste (2012), unter http://www.goethe.de/ins/za/prj/wom/osm/de9606618.htm (abgerufen am 30.03.2016).

Moussa Coulibaly & LONITIBA sind bereits im Dezember 2013 bei uns aufgetreten:


Weitere Infos zum Konzert am 29. April 2016 im Spielplan und auf Facebook.


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Artist of the Month MÄRZ 2016: AKIRA ANDO


Der Kontrabassist und Komponist Akira Ando ist der Hauptveranstalter und Kurator der Eventreihe "Fukushima - The Aftermath", die am Freitag, den 11. März, in der WERKSTATT DER KULTUREN stattfinden wird. Er lebt seit 16 Jahren in Berlin und ist u.a. in der Berliner Jazz-Szene verwurzelt.

 

DON’T LET THEIR GREED DESTROY THE WORLD


Did you forget Hiroshima?
Can you forget Nagasaki?
Did you forget Chernobyl?
Are you trying to forget Fukushima?
Can you really do?
Nuke makes Power
Power brings Money
Money makes Greed
Greed brings Death
Don’t let Nuke wreck the earth
Don’t let Power overcome the globe
Don’t let Money deceive those people
Don’t let their Greed destroy the world

Akira Ando
Feb. 2016


 

Interview mit Akira Ando


WERKSTATT DER KULTUREN: Bist du Mitglied der Gruppe Sayonara Nukes Berlin, die das Protestival* organisiert?
Akira Ando: Nein, ich gehöre nicht offiziell zu dieser Gruppe, aber dieses Jahr arbeiten wir eng zusammen.

WdK: Warum hast du dich entschieden, “Fukushima - The Aftermath” in der WERKSTATT DER KULTUREN zu organisieren?
A.A.: Am 18. März 2011, bin ich in der WdK aufgetreten. Es war eine Jazz-Performance, namens “Licht und Schatten”, die die Geschichte der alten japanischen Sage von Amaterasu (Sonnengöttin) und Susanoo (Gott des Sturmes und der Meere) erzählte. Es war eine Mischung aus Jazz- und Opernmusik, Ballett und Butoh-Tanz.
Diese Performance, sieben Tage nach der Fukushima-Katastrophe, war für mich wie ein Zeichen. Es war mir wichtig, dass die Veranstaltung “Fukushima - The Aftermath” in der WdK stattfindet.
Daneben lebe und muzisiere ich seit 16 Jahren in Berlin und kenne viele Jazz-Musiker*innen, die auch schon in der WdK gespielt haben. So konnte ich auch Künstler*innen aus dieser Community zusammenbringen.

WDK: Warst du schon vor der Katastrophe politisch engagiert?
A.A.: Nein. Ich bin Musiker, und vor Fukushima hatten meine Kompostionen keinen direkten Bezug zu politischen Themen. Aber danach fühlte ich mich verpflichtet, dieses Thema zu behandeln und aktiv zu sein.

WdK: Du bist Kontrabassist. In deinen Live-Videos sieht man oft eine Kombination von Musik und Performance. Ist diese Mischung typisch für deine Kunst oder typisch für japanische Musik?
A.A.: Meine Kompositionen decken unterschiedliche Musikstile ab: Jazz, Free-Jazz, Rock, Latin u.a. Sie werden auch durch meine japanische Kultur beeinflusst. Die Kombination Musik-Performance kommt aber eher aus meiner Zeit in New York. Ich habe dort gelebt, bevor ich nach Berlin zog. Da habe ich Free-Jazz-Musiker kennengelernt, wie den Komtrabassisten William Parker und den Violonisten Billy Bang. Ihre Shows waren oft mit Tanz und Performances begleitet. Das hat mich inspiriert.

 


 

Weitere Infos zur Veranstaltung "Fukushima-The Aftermath" im Spielplan und auf Facebook.


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Artist of the Month Februar 2016: MFA KERA


MFA Kera, unser "Artist of the Month" wird am 12.02.16 im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe BLACK HISTORY MONTH goes Black Music Renaissance unter der Leitung von Bandleader, Komponist, Arrangeur und Pianist Kelvin Sholar zu hören sein!

Die Sängerin und Komponistin MFA Kera stammt ursprünglich aus Madagaskar und wuchs in Senegal auf. "Stellen Sie sich Sarah Vaughan, Grace Jones, Shirley Bassey und Ima Sumac in einer afrikanischen Sängerin vor, dann bekommen Sie eine Vorstellung von ihrem großen Talent. Man muss ihre Live-Bühnen-Performance erleben, um ihre Energie und ihr Charisma wirklich schätzen und genießen zu können."
 



 

Interview mit Mfa Kera

WDK: Du bist schon mal in der WERKSTATT DER KULTUREN aufgetreten. Hast du da Musiker_innen kennengelernt, mit denen du später arbeiten konntest?
MK: Ich habe durch die WERKSTATT DER KULTUREN natürlich viele Künstler_innen kennengelernt - und lerne immer wieder neue Musiker*innen kennen. Am 12.02. beispielsweise, spiele ich bei Black Music Renaissance nicht mit meiner Band “Black Heritage”, sondern mit Musikern, mit denen ich noch nie aufgetreten bin: mit dem Bassisten Arcadius Didavi, dem Pianisten Kelvin Sholar und JC Doo-Kingue an der Gitarre.
Durch die Musik lernt man immer wieder neue Schwestern und Brüder kennen.

Die WERKSTATT ist für mich wie ein Tempel der Kulturen. Ich liebe dieses Gebäude. Ich habe zum ersten Mal in den 1990ern in der WERKSTATT DER KULTUREN gespielt.
Sie ist für mich ein wichtiger Ort in Berlin.

WDK: Du sagtest, dass das Thema Reise für dich wichtg ist? Kannst du uns mehr darüber erzählen?
MK: Ich komme aus Madagaskar, bin aber in Senegal aufgewachsen. Auf meinen Konzerten und mit dem Musikprojekt “Mama Africa” versuche ich auch das Publikum durch meine Kompositionen
auf eine Reise mitzunehmen. Ich beginne oft mit Gospel, Blues und spiritueller Musik aus Madagaskar, und gehe dann zu Funk und “Afro-Soul” über.

WDK: Arbeitest du gerade an einem neuen Album mit deiner Band “Black Heritage”?
MK: Ja, unser Album “Humans, Humans” soll 2016 veröffentlicht werden. Unser letztes Album hieß “Talking Africa”. Bei diesem Album hatten wir TM Stevens und Themba Maxwell als Special Guests.


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